Altersvorsorge im Studium: Dein Grundstein für später

Nur 7 Minuten Lesezeit

veröffentlicht am 25.11.2025
Geldscheine

Das Wichtigste auf einen Blick

  • ‍Früh anfangen lohnt sich: Schon kleine Beträge im Studium können durch Zeit- & Zinseszinseffekt später einen immensen Unterschied machen.
  • Zusätzliche Vorsorge ist essentiell: Die gesetzliche Rentenversicherung allein reicht (leider) nicht aus. Wir zeigen dir welche weiteren Möglichkeiten du hast.
  • Altersvorsorge ist ein sehr individuelles Thema, das du regelmäßig im Blick haben solltest. Wähle das Modell, das am besten zu dir und deinem Leben passt und sich an deine zukünftigen Ziele anpassen lässt.

Warum du JETZT an später denken solltest!

Die finanzielle Situation von Studis ist häufig mehr als angespannt. BAföG reicht oft nicht aus, um Miete, Lebensmittel & Semesterbeiträge bezahlen zu können. Über zwei Drittel aller Studierenden müssen deshalb zusätzlich einen Nebenjob annehmen, um ihre Lebenshaltungskosten ansatzweise abdecken zu können¹. Da bleibt nicht viel übrig.
Und dann soll man noch über die Zukunft nachdenken? Scheint unmöglich.


Die Rente ist doch noch so weit weg, das kann ich doch auch noch nach dem Studium regeln...

Aber genau das ist der entscheidende Punkt: Zeit ist dein bester Freund. Es lohnt sich möglichst früh gezielt die richtigen Grundlagen zu legen. Du musst nicht sofort große Beiträge zurücklegen, aber du solltest wissen, was auf dich zukommt. Denn Entscheidungen, die du heute triffst, wirken langfristig.

Die 3 Säulen der Altersvorsorge

1. Die Gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung bildet das Fundament deiner Altersvorsorge.

Wenn du neben dem Studium in einem rentenversicherungspflichtigen Job arbeitest (z. B. als Werkstudi), zahlst du automatisch in die Deutsche Rentenversicherung ein. Jeder Monat bringt dir dabei Rentenpunkte, die später deine Rentenhöhe bestimmen.

Die gesetzliche Rente funktioniert nach dem Umlageverfahren: Heutige Beitragszahlende finanzieren die aktuellen Renter/-innen. Du sparst also nicht für dich, sondern dein eingezahltes Geld wird direkt weitergegeben. Deine Rente wird dann also durch die zukünftige Generation getragen.

Dieses System gerät jedoch durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck, weil die Zahl der Erwerbstätigen im Verhältnis zur älteren Bevölkerung geringer wird.
Das hat zur Folge, dass das Renten-Niveau aktuell & langfristig bei 48% liegt (laut Versichertenbericht der Deutschen Rentenversicherung 2025)².

Bedeutet konkret: Arbeitnehmende, die in Rente gehen, bekommen gerade einmal 48% ihres derzeitigen Bruttogehalts pro Monat ausbezahlt. Das reicht bei weitem nicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter halten zu können.

2. Betriebliche Altersvorsorge

Die zweite wichtige Säule bildet die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Sobald du in einem festen Job bist, kannst du über deinen Arbeitgeber zusätzlich fürs Alter vorsorgen. Dabei wird ein Teil deines Bruttogehalts mit steuerlichen & sozialversicherungsrechtlichen Vorteilen in eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds eingezahlt. Oft beteiligen sich Arbeitgebende sogar mit einem zusätzlichen Zuschuss³.

Für Studierende ist das vor allem im dualen Studium oder beim Übergang in den ersten Job relevant.

Auch wenn das Thema am Anfang fern wirkt, lohnt sich ein früher Einstieg, da sich die Beiträge über die Jahre immer weiter aufbauen.

Informiere dich daher frühzeitig bei deinem Arbeitgeber, ob und welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge angeboten werden!

3. Private Altervorsorge

Die letzte und vermutlich wichtigste Säule ist die der privaten Altersvorsorge.
Hier entscheidest du auf Basis deiner indivdiuellen Lebensumstände, Ziele & finanziellen Möglichkeiten, was am besten zu dir passt.

Anders als bei der gesetzlichen oder betrieblichen Vorsorge bist du dabei nicht an Vorgaben von Staat oder Arbeitgeber gebunden, sondern gestaltest deine Altersvorsorge frei.

Deine Optionen zur privaten Vorsorge

Riester-Rente

Wenn du einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehst, kann die Riester-Rente eventuell eine Option für deine private Altersvorsorge sein.

Riester-Verträge werden vom Staat durch direkte Zulagen und steuerliche Vorteile gefördert. Du erhältst eine jährliche Grundzulage von 175 Euro. Dafür musst du jährlich 4% rentenversicherungspflichten Bruttoeinkommens in den Vertrag einzahlen. Zusätzlich können Riester-Beitröge bis zu 2.100€ pro Jahr als Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden⁴.

Das Riester‑Geld ist fest fürs Alter vorgesehen - vorher kommst du also nicht einfach an das Ersparte ran. In der Rentenphase bekommst du dann in der Regel eine lebenslange monatliche Rente, wobei du dir aber bis zu 30 % des Kapitals einmalig auszahlen lassen kannst⁴.
Wichtig: Sobald dir deine Rente ausgezahlt wird, musst du sie versteuern⁴.

Rürup-Rente

Bei der Rürup-Rente, auch Basisrente, generierst du (ähnlich zur Riester-Rente) eine lebenslange monatliche Rente durch private Einzahlungen. Du bekommst allerdings keine direkten staatlichen Zulagen, sondern profitierst vor allem steuerlich. Bis zu einem gesetzlich festgelegten Höchstbetrag kannst du die Beiträge nämlich nahezu vollständig steuerlich absetzen⁵.

Insbesondere lohnt sich das für Menschen mit höherem Einkommen - also zunächst eher weniger für Studis und frische Absolvent/-innen. Der Vorteil liegt darin, dass du dadurch heute weniger Einkommensteuer zahlst und sich die Besteuerung deiner Rente ins Alter verschiebt⁵.

Wichtig: Rürup-Verträge lassen sich nicht kündigen⁵. Überleg dir also genau, ob diese Art der Altersvorsorge zu deinen Gegebenheiten passt!

Private Rentenversicherung

Bei der privaten Rentenversicherung zahlst du regelmäßig Geld ein, um dir zusätzlich zur gesetzlichen Rente ein finanzielles Polster fürs Alter aufzubauen.
Zum von dir festgelegten Renteneintrittsalter wird das Angesparte schließlich ausbezahlt. Dabei kannst du entscheiden ob als lebenslange monatliche Rente, als Einmalzahlung oder als Kombination aus beidem⁶.

Privater Fonds- bzw. ETF-Sparplan

Bei einem privaten Fondssparplan mit ETFs investierst du regelmäßig einen festen Betrag in börsengehandelte Indexfonds. Dadurch baust du über einen langen Zeitraum hinweg Vermögen auf, das du später beispielsweise zur Ergänzung deiner Rente nutzen kannst.

Der Vorteil: Du bist völlig flexibel. Es gibt keine festen Laufzeiten und keinen vorher festgelegten Rentenbeginn. Du entscheidest selbst, wann & wie viel Geld du entnimmst.

Selbst kleine Beträge können dabei über die Jahre hinweg einen großen Effekt haben, denn langfristig profitierst du vom Zinseszins-Effekt⁷:

Beginnst du mit 20 Jahren monatlich 10€ zu sparen, hast du bis zum Rentenalter mit 67 bis zu 10.000€ mehr Vermögen als jemand, der erst mit 30 beginnt. Bei 25€ monatlich sind es schon bis zu 25.000€ mehr (abhängig von der Rendite).

Kurz gesagt: Je früher du anfängst, desto entspannter wird dein Leben nach dem Studium und später im Ruhestand.

Die monatlichen Beiträge sind jederzeit anpassbar, was gerade als Student/-in bei wechselnden Umständen sehr nützlich sein. So kannst du weniger einzahlen oder pausieren, wenn du knapp bei Kasse bist, oder erhöhen, wenn es zum Beispiel einen Bonus im Nebenjob gab⁸.

Wähle breit gestreute ETFs, die weltweit in viele Unternehmen investieren. So verteilst du das Risiko und profitierst langfristig vom Wachstum der globalen Wirtschaft.

Wichtig ist allerdings auch: Fonds- und ETF-Sparpläne unterliegen Marktschwankungen. Verfall also nicht in Panik, wenn es zu kurzfristigen Verlusten kommt - mit zunehmender Anlagedauer gleichen sich die Schwankungen wieder aus⁸.

Mit unserem interaktiven Zinseszins-Rechner siehst du in Sekunden, wie sich dein Geld über die Jahre vervielfacht, während du in unserem Finanz-Crashkurs noch mehr zu ETFs, Sparplänen und privater Vorsorge lernst.

Schritt für Schritt zur Altersvorsorge

Was passt zu dir?

Riester, Rürup, private Rentenversicherung oder doch Fondssparplan? Den einen richtigen Weg gibt es hier nicht.

Welche Form der Altersvorsorge zu dir passt, hängt ganz von deinen individuellen Gegebenheiten und Vorstellungen ab.

Informiere dich deshalb gründlich, vergleiche die Optionen und behalte deine eigenen Bedürfnisse & Ziele im Blick.

Nur so findest du die für dich passende Form der Altervorsorge, die dich langfristig glücklich macht und auch im Alter noch zufriedenstellt.

Wie viel willst du investieren?

Wie viel Geld willst du monatlich in deine Altersvorsorge investieren und - noch wichtiger - wie viel ist realistisch?

Der Betrag sollte dein Leben in der Gegenwart nicht beeinträchtigen und dir nicht "wehtun", wenn er regelmäßig von deinem Konto abgebucht wird. Fang lieber klein an.

Sobald du etwas mehr Spielraum hast, z.B. durch deinen Berufseinstieg, kannst du einen Schritt weiterdenken und dir überlegen, wie viel Geld und was für einen Lebensstandard du im Alter haben möchtest.

Von da aus kannst du dann zurück rechnen, wie hoch deine monatliche Sparrate sein sollte, um dein Ziel langfristig zu erreichen.

Erst Notgroschen, dann Vorsorge.

Altersvorsorge ist wichtig. Aber du kannst kein Geld sparen, das dir aktuell im Alltag (noch) fehlt. Die Finanzierung deines Lebens im Hier und Jetzt sollte immer Priorität haben.

Schaffe dir zunächst einmal ein finanzielles Polster. Mit diesem Notgroschen bleibst du auf der sicheren Seite bei ungeplanten Situationen, wie einer auslaufenden Waschmaschine oder einem kaputten Laptop.
Als Faustregel gelten ca. 2 bis 3 Monatsausgaben⁹.

Hast du Schulden oder musst noch Geld zurückzahlen, solltest du auch das zunächst begleichen. Erst wenn deine finanzielle Basis steht, lohnt es sich, gezielt Geld für die Zukunft zurückzulegen.

Mit unserem Finanzplaner-Template behältst du dein Budget im Griff und kannst deine Sparziele realistisch angehen.

Bleib immer up-to-date

Auch wenn es noch so weit entfernt erscheint, solltest du dich aktiv & regelmäßig mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen und ggf. über Anpassungen nachdenken.

Individuelle Situationen & Bedürfnisse können sich jederzeit ändern - sei es ein neuer Job, mehr Einkommen oder neue Ziele.

Vielleicht kannst du nun mehr investieren oder eine andere (neue) Form der Vorsorge passt doch besser.

Fazit

Altersvorsorge im Studium muss weder kompliziert noch teuer sein.

Die Vielfalt an Möglichkeiten ist groß - von staatlich geförderten Modelle über private Rentenversicherung bis hin zu Fonds- & ETF-Sparplänen.

Für nahezu jede Lebenslage und jeden Lebensentwurf lässt sich eine passende Lösung finden.

Wichtig ist, dass du früh anfängst, regelmäßig dranbleibst und deine Strategie immer wieder an dein Leben anpasst, ohne dich allein auf die gesetzliche Rentenversicherung zu verlassen.


Es lohnt sich, sich bereits in den 20ern mit dem Thema auseinanderzusetzen. So legst du schon heute den Grundstein für ein entspanntes Morgen.

FAQ

Zählt mein Studium für die Rente?

Ja¹⁰. Dein Studium zählt für die Rente in Form von anrechenbarer Zeit und hilft dir bestimmte Rentenansprüche zu erfüllen. Deine spätere Rentenhöhe erhöht sich dadurch aber kaum, weil du während des Studiums in der Regel keine Beiträge einzahlst.
Ausnahme: Wenn du nebenbei rentenversicherungspflichtig (z.B. als Werkstudi) arbeitest, sammelst du ganz normal Rentenpunkte.

ETF oder private Rentenversicherung – was ist besser?

Das kommt ganz auf deine Ziele an. ETF-Sparpläne sind zumeist flexibler und bieten dir langfristige Renditechancen, erfordern aber Bereitschaft Kursschwankungen durchzustehen. Private Rentenversicherungen hingegen bieten dir mehr Planungssicherheit & garantierte Auszahlungen im Austausch gegen weniger Flexibilität.

Die Mischung macht's: ETFs für Wachstum, private Rentenversicherung für Sicherheit.

Lohnt sich Riester im Studium?

Für die meisten Studis lohnt sich Riester kaum.

Denn während des Studiums haben viele kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen, sodass kein oder nur einer geringer Anspruch auf staatliche Zulagen besteht⁴.

Außer du hast einen rentenversicherungspflichtigen Job (z.B. als Werkstudi) und kannst die Zulagen voll ausschöpfen - dann kann die Riester-Rente für dich sinnvoll werden.

Meist sind aber flexiblere Lösungen, wie ETF-Sparpläne, zunächst der bessere Einstieg.

Support statt Gatekeeping

Sophie Bikkel

Student Communication Managerin

Seit 2024 kümmert sich Sophie als Student Communication Managerin sorgsam um unsere Studis und weiß genau, was sie aktuell beschäftigt. Durch ihren Anglistik-Bachelor in Kombination mit Kommunikation & Medien kann sie Themen wie das Anfertigen einer Thesis, Sorgen rund um Finanzen im Studium und den Start ins Berufsleben bestens nachvollziehen – und möchte Studis aktiv dabei helfen, diese Herausforderungen erfolgreich und entspannt zu meistern.