Stipendium für Student/-innen: Deine Chance auch ohne 1,0!
Nur 5 Minuten Lesezeit
Das Wichtigste auf einen Blick
- Du brauchst keine 1,0 um für ein Stipendium in Frage zu kommen
- Viele Programme achten besonders auf Engagement, Persönlichkeit oder soziale Kriterien – unabhängig von deinem Notendurchschnitt
- Deutschlandstipendium, das Evangelische Studienwerk oder regionale Programme fördern auch Studis mit „Durchschnittsnoten“
Mythos: Stipendien gibt es nur für Ausnahmetalente 🦄
„Stipendium? Ich? Niemals – ich hab ja keine 1,0.“
Kommt dir bekannt vor? Dann ist es Zeit, diesen Mythos aufzudecken.
Die Wahrheit: Viele Stipendien suchen Menschen mit Persönlichkeit, nicht nur perfekte Noten. Auch mit einer 2,3 oder 3,0 hast du gute Chancen – denn „durchschnittliche“ Noten sind nichts Schlechtes, sondern immer noch eine solide Leistung. Wichtig ist, dass du zeigst, wer du bist und was dich ausmacht.
Worauf Stipendiengeber wirklich schauen:
- Engagement: Ob im Sportverein, in einer Hochschulgruppe, in der Freiwilligenarbeit oder in politischen Initiativen - wer Einsatz zeigt, punktet.
Du hilfst beispielsweise ehrenamtlich bei einer Nachhilfe-Initiative aus? Das zeigt Verantwortung und soziales Bewusstsein.
- Lebensgeschichte: Bildungsaufsteiger/-innen, Studis mit Migrationshintergrund oder familiären Herausforderungen haben oft besonders spannende Perspektiven. Stipendien wollen genau solche Lebensrealitäten sichtbar machen.
- Motivation: Was sind deine Ziele, dein „Warum“? Ein klarer Antrieb überzeugt oft mehr als eine makellose Note. Beispiel: Du willst als Erste/-r in deiner Familie studieren und später andere unterstützen.
- Wirtschaftliche Lage: Studierende aus Nicht-Akademikerfamilien oder mit finanziellen Hürden haben oft bessere Chancen, als sie selbst glauben.
Kurz gesagt: Stipendien suchen nicht den „perfekten Lebenslauf“, sondern echte Persönlichkeiten mit Haltung, Geschichte und Zielen.
Diese Stipendien sind auch mit "durchschnittlichen" Noten erreichbar 🤝
1. Deutschlandstipendium
Das Deutschlandstipendium unterstützt dich mit 300€ pro Monat, und das unabhängig vom Einkommen deiner Eltern. Finanziert wird es je zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern (z. B. Stiftungen oder Unternehmen), die eng mit den Hochschulen zusammenarbeiten1.
Woran wird gemessen?
Noten spielen eine Rolle, sind aber nur ein Teilaspekt. Wichtig sind außerdem dein Engagement (z. B. im Verein, in sozialen Projekten oder in der Hochschulgruppe), deine Motivation (warum du studierst, was du erreichen willst) und deine persönlichen Umstände (z. B. Bildungsaufstieg, familiäre Herausforderungen, Migrationshintergrund)1.
2. Evangelisches Studienwerk Villigst
Das Evangelische Studienwerk Villigst ist ein Begabtenförderungswerk und vergibt Stipendien an Studierende aller Fachrichtungen. Es unterstützt dich mit bis zu 855€ monatlich plus einer 300€ Studienkostenpauschale².
Was steckt dahinter?
Auch wenn der Name es vermuten lässt: Du musst nicht zwingend evangelisch sein, um gefördert zu werden. Entscheidend ist, dass du offen für gesellschaftliche Werte, Dialog und Austausch bist. Im Fokus stehen Studis mit besonderem Engagement³.
Worauf kommt es an³?
- Gesellschaftliches Engagement: z. B. Ehrenamt, Umweltschutz, politische Arbeit oder soziale Projekte.
- Teamgeist & Dialogfähigkeit: Die Bereitschaft, dich mit anderen aktiv auszutauschen und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
Das Evangelische Studienwerk sucht nicht „perfekte Lebensläufe“, sondern Studierende mit Haltung, Einsatz und Persönlichkeit – unabhängig von Herkunft oder Religion.
3. Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)
Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) fördert Studierende, die Verantwortung übernehmen, Unternehmergeist zeigen und Ideen für die Zukunft entwickeln⁴.
Wie hoch ist die Förderung?
Die Berechnung der finanziellen Unterstützung unterliegt den BMFTR-Richtlinien. Zusätzlich gibt es aber in jedem Fall eine Studienkostenpauschale von 300€ pro Monat, die unabhängig vom Einkommen gezahlt wird⁵.
Was zählt bei der Bewerbung?
Noten sind wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Viel mehr Gewicht haben dein gesellschaftliches Engagement, deine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und deine Fähigkeit, eigene Ideen einzubringen – sei es in einem Projekt, Verein oder sozialen Umfeld⁴.
Kurz gesagt: Die sdw sucht junge Menschen, die mit Tatkraft und Zukunftsvision gestalten wollen.
4. Weitere Programme mit fairen Chancen
Studienstiftung des deutschen Volkes
Die Studienstiftung ist das bekannteste und größte Begabtenförderungswerk in Deutschland. Die Auswahl ist streng und gute Noten sind fast immer Voraussetzung. Aber es geht nicht nur um deinen Schnitt – auch Engagement, Persönlichkeit und besondere Leistungen außerhalb der Uni können entscheidend sein. Wer aufgenommen wird, erhält eine Förderung in Höhe der BAföG-Sätze (bis zu 855€) plus 300€ Studienkostenpauschale⁶.
Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB)
Das Programm der SBB richtet sich an alle, die mit einer Ausbildung und bereits etwas Berufserfahrung ins Studium gestartet sind. Es zählt besonders dein bisheriger Werdegang und deine Motivation, dich akademisch weiterzuentwickeln⁷. Du hast die Chance auf eine Förderung von 992 € plus 80 € Büchergeld, also insgesamt 1.072 €, pro Monat. Als Stipendiat/-in in einem berufsbegleitenden Studiengang erhältst du eine Förderung von 3.045 € pro Jahr⁸.
Regionale Förderungen
Neben den großen bundesweiten Stiftungen gibt es zahlreiche regionale Förderungen, z. B. durch Stadtwerke, Kommunen oder kleinere Stiftungen.
Vorteil: Die Konkurrenz ist hier oft deutlich geringer, die Chancen auf eine Zusage also höher.
Datenbanken wie mystipendium.de können dir helfen, das für dich passende Programm zu finden. Dort kannst du gezielt nach Stipendien suchen, die wirklich zu deinem Profil passen – egal ob nach Region, Fachrichtung oder persönlicher Situation.
Mehr als Noten: So punktest du mit Persönlichkeit & Engagement 💫
Ein Stipendium zu bekommen, ist kein Hexenwerk – aber es braucht Vorbereitung und ein bisschen Mut. Denk an deine Bewerbung wie an ein Training fürs spätere Berufsleben: Je besser du dich präsentierst, desto größer deine Chancen.
- Zeige dein Engagement: Ob Ehrenamt, Hochschulgruppe oder Nebenjob mit Verantwortung – wichtig ist, dass du Einsatz und Teamgeist beweist.
Statt nur aufzuzählen, erzähle, was du wirklich gemacht hast: „Ich habe als Tutor/-in Erstsemester begleitet und ihnen den Einstieg erleichtert“ wirkt greifbarer als „Tutorentätigkeit“.
- Erzähle deine Geschichte: Wie du Hürden gemeistert hast, kann manchmal mehr über dich aussagen als deine Noten. Vielleicht bist du der/die Erste in deiner Familie, der/die studiert, oder hast nebenbei gearbeitet, um dir dein Studium zu finanzieren. Solche Erfahrungen zeigen Durchhaltevermögen und Motivation.
- Bereite deine Unterlagen top vor: Sauberer Lebenslauf, individuelles Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben von Dozierenden – das zeigt Professionalität. Leg dir am besten eine Bewerbungsmappe an, die du für verschiedene Stipendien anpassen kannst.
- Trau dich, dich mehrfach zu bewerben: Wenn du dich nicht bewirbst, lässt du dir womöglich wertwolle Chancen entgehen - und das willst du ja nicht. Du darfst dich parallel bei mehreren Stipendienprogrammen bewerben. Kombinieren lässt sich die Förderung aber meist leider nicht – wenn du mehrere Zusagen erhältst, musst du dich für eines entscheiden.
Mach dir klar, dass Stipendiengeber keine „Überflieger“ suchen, sondern Menschen mit Motivation und Persönlichkeit. Deine Bewerbung ist die Gelegenheit, genau das sichtbar zu machen.
Insider-Hacks für deine Bewerbung 📚
- Empfehlungsschreiben nutzen: Frag Dozierende oder Praktikumsbetreuer/-innen, die dich wirklich kennen. Authentische Worte sind Gold wert.
- Zahlen nennen: Statt „Ich engagiere mich viel“ → „Ich organisiere seit 2 Jahren wöchentliche Nachhilfegruppen für 15 Schüler/-innen.“
- Kombinieren: Ein Nebenjob plus Ehrenamt neben dem Studium zeigt, dass du dein Zeitmanagement im Griff hast.
Beispiel: Wenn du als Werkstudi arbeitest und gleichzeitig im Sportverein Jugendtraining leitest, beweist du nicht nur Organisationstalent, sondern auch Verantwortungsbewusstsein. - Community checken: Viele Unis haben Infoveranstaltungen zu Stipendien. Geh hin, dort gibt’s oft noch mehr Insider-Tipps.
Fazit
Noten sind wichtig – aber längst nicht alles. Stipendien werden nicht nur an Ausnahmetalente vergeben, sondern an Menschen mit Motivation, Engagement und Persönlichkeit.
Nutze deine Chance und bewirb dich – auch wenn du denkst, deine Noten seien „zu normal“. Durchschnittliche Leistungen sind immer noch gute Leistungen, und kombiniert mit einer klaren Motivation oder deinem Einsatz im Ehrenamt können sie genau das sein, was Stipendiengeber/-innen suchen.
Mit einer sorgfältigen Vorbereitung, einer authentischen Geschichte und der Auswahl des richtigen Programms kannst auch du dein Studium fördern lassen. Jede Bewerbung bringt dich ein Stück weiter – sei es durch Feedback, neue Erfahrungen oder im besten Fall die finanzielle Unterstützung, die dir den Rücken fürs Studium freihält.
FAQ
Gibt es Stipendien ohne gute Noten?
Engagement im Verein, in einer Hochschulgruppe oder Ehrenamtliches wie Nachhilfe für Geflüchtete zählen oft mehr als dein Notenschnitt. Auch Stipendien, die sich nach finanzieller Lage richten, verzichten meist auf strenge Notenvorgaben.
Habe ich mit 3,0 überhaupt eine Chance?
Viele Stipendiengeber/-innen suchen bewusst nach authentischen Persönlichkeiten, nicht nach perfekten Lebensläufen.
Quellenverzeichnis
- Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, 2022): Informationen zum Deutschlandstipendium
- Evangelisches Studienwerk Villigst (2025): Unser Stipendium für Studierende
- Evangelisches Studienwerk Villigst (2025): Voraussetzungen für die Bewerbung um ein Stipendium
- Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw, 2025): Bewerbung Studienstipendium
- Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw, 2024): Stipendium für Studierende. Wie_viel_Geld_gibt_es_Studierende_2024.pdf
- Studienstiftung des deutschen Volkes (2025): Bewerbung und Auswahl
- Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB, 2025): Aufstiegsstipendium: Kann ich mich bewerben?
- Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB, 2025): Aufstiegsstipendium: Wie wird gefördert?