Was zählt als Berufserfahrung & was bedeutet einschlägige Berufserfahrung?
8 Minuten Lesezeit
Das Wichtigste auf einen Blick
- Good News: Berufserfahrung heißt nicht nur Vollzeitstelle – Praktika, Werkstudententätigkeiten oder eine Ausbildung zählen auch
- „Einschlägige Berufserfahrung“ bedeutet deine Erfahrung passt fachlich zum Job oder Studiengang
- Transfer-Skills wie Teamarbeit, Organisation oder Kommunikation werden oft unterschätzt, sind aber Gold wert
- Entscheidend ist nicht nur, was du gemacht hast, sondern wie du es präsentierst - Zeugnisse, Projektbeschreibungen und Referenzen untermauern deine Erfahrungen
Du hast mehr Berufserfahrung als du denkst 💼
Viele denken: „Richtige Berufserfahrung zählt erst, wenn ich eine Festanstellung habe.“
Falsch! Arbeitgebende wissen, dass gerade Berufseinsteiger/-innen nicht mit zehn Jahren Praxis punkten können - frisch aus der Uni einfach unmöglich.
Stattdessen zählt alles, was dir Einblicke in die Arbeitswelt gegeben oder dich mit Skills ausgestattet hat.
Typische Beispiele für Berufserfahrung
- Werkstudijob:
Als Werkstudent/-in bekommst du direkten Einblick in Abteilungen, Tools und Projekte, die zu deinem Fachbereich passen. Du arbeitest oft Hand in Hand mit Profis, sammelst Praxiswissen und kannst zeigen, dass du Theorie und Praxis erfolgreich verbindest. - Praktikum oder Praxissemester
Hier machst du deine ersten Schritte in der Branche und knüpfst wertvolle Kontakte. Praktika sind der ideale Ort, um dich auszuprobieren, erste Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig dein Netzwerk für den späteren Berufseinstieg aufzubauen. - Ausbildung
Wenn deine Ausbildung fachlich zum Studium passt, ist sie ein echter Pluspunkt. Sie zeigt, dass du bereits fundiertes Praxiswissen mitbringst, und hebt dich von Kandidat/-innen ab, die „nur“ den akademischen Weg gegangen sind. - Ehrenamt oder Vereinsarbeit
Ob als Trainer/-in im Sportverein, Tutor/-in oder Vorstandsmitglied einer Hochschulgruppe: Hier beweist du Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent. Du kannst also mehr als nur Theorie. - Freelance-Projekte
Selbstständige Projekte zeigen, dass du Eigeninitiative und Professionalität mitbringst. Wer neben dem Studium schon Aufträge umgesetzt oder eigene Projekte gestartet hat, beweist unternehmerisches Denken und Praxisstärke. - Uni-Projekte
Auch scheinbar „kleine“ Uni-Projekte zählen: Ob Gruppenarbeiten, Präsentationen oder Forschungsprojekte – sie schulen Projektmanagement, Teamarbeit und Kommunikation. Im Bewerbungsgespräch kannst du diese Beispiele als „Berufspraxis im Mini-Format“ einbringen.
Kurz gesagt: Alles, was dich praktisch weitergebracht hat, ist Berufserfahrung.
Unsicherheit, was als Berufserfahrung zählt, ist völlig normal
Viele Jobanzeigen wirken einschüchternd – vor allem, wenn „einschlägige Berufserfahrung erforderlich“ da steht. Kein Wunder, dass sich viele Studierende oder Absolvent/-innen sofort fragen: „Reicht mein Lebenslauf überhaupt?“
Praktika, Werkstudistellen, Uni-Projekte oder auch Ehrenämter gelten längst als wertvolle Erfahrung und zeigen, dass du schon Fähigkeiten in der Praxis angewendet hast.
Berufserfahrung vs. einschlägige Berufserfahrung 🔍
Passen deine bisherigen Erfahrungen direkt und perfekt zum Job, auf den du dich bewirbst?
Denn genau hier kommt der Sprung von allgemeiner zu einschlägiger Berufserfahrung.
Der Unterschied ist gar nicht so kompliziert: Einschlägige Berufserfahrungen sind, vereinfacht gesagt, die Stationen, die konkret zeigen, dass du schon nah an deinem künftigen Aufgabenfeld gearbeitet hast.
Allgemeine Berufserfahrung:
Alles, was dir berufliche Grundkompetenzen gibt – auch wenn es nicht direkt zu deinem Fach passt - fällt unter allgemeine Berufserfahrung.
Ein Kellnerjob beweist zum Beispiel Stressresistenz, Organisationstalent und dass du den Umgang mit unterschiedlichsten Arten von Menschen draufhast.
Diese Soft Skills sind in fast jedem Job wertvoll, egal ob Marketing, Projektmanagement oder Consulting, da du oft unter Zeitdruck arbeitest, Kund/-innen betreust und mehrere Projekte parallel managen musst.
Im Lebenslauf kannst du das als „Umgang mit hoher Arbeitsbelastung und direkter Kundenkommunikation“ beschreiben.
Einschlägige Berufserfahrung
Einschlägige Berufserfahrungen sind hingegen Tätigkeiten, die direkt fachlich zum Job passen, auf den du dich bewirbst.
Beispielsweise beweist ein Werkstudijob im Social Media, dass du schon mit Content-Planung, Redaktionsplänen sowie Kampagnen und Analysetools gearbeitet hast und somit direkt als Online-Redakteur/-in durchstarten kannst.
In einer Bewerbung fürs Online-Marketing kannst du das perfekt als „praktische Erfahrung in der Planung und Umsetzung von Social-Media-Kampagnen“ verpacken.
Transfer-Erfahrung
Manche Erfahrungen sind nicht 1:1 fachlich, bringen dir aber übertragbare Skills.
Die Position als Projektleitung im Ehrenamt schult dich in Organisation, Kommunikation und Führung von Teams, weil du eine Gruppe führst, motivierst, auf individuelle Stärken eingehst und Konflikte löst. Wenn du dich später im Projektmanagement oder Consulting bewirbst, kannst du diese Erfahrung als Beleg deiner Leadership- und Koordinationsfähigkeit nutzen.
Das macht dich glaubwürdig und hebt dich von anderen Bewerbenden ab, die nur theoretisches HR-Wissen mitbringen.
Einschlägig bedeutet also, dass deine Erfahrung direkt fachlich passt.
Aber auch Jobs, die auf den ersten Blick „fremd“ wirken, können dir Pluspunkte bringen – wenn du klar zeigst, welche Fähigkeiten du dort gelernt hast und wie sie auf den neuen Job übertragbar sind.
Wichtig ist, dass du übertragbare Fähigkeiten in deiner Bewerbung immer klar benennst!
Neben dem Studium gearbeitet?
Perfekt für den Lebenslauf! 📑
Viele Studis haben Nebenjobs, um ihr Leben zu finanzieren. Und auch wenn's manchmal stressig sein kann, ist genau das ein Pluspunkt. Arbeitgeber/-innen schätzen das sehr, denn du beweist: Belastbarkeit, Organisation und Eigenverantwortung gehören bei dir zum Alltag.
Jetzt musst du nur noch wissen, wie du deine Erfahrungen in deiner Bewerbung überzeugend verpackst.
Typische Fehler im Lebenlauf
Häufig unterschätzen Studis ihre Erfahrungen und präsentieren sie dadurch falsch - oder noch schlimmer, gar nicht. Reframe deine Erfahrung und rede dich selbst nicht klein. Auch Jobs oder Situationen, die unspektakulär wirken, sind ein Training für deine Skills, die dich im Beruf richtig weit bringen. Das ist deine Chance, dich zu beweisen!
Vermeide also folgende Punkte:
- „Nur“ Werkstudent/-in angeben
Statt „Werkstudent/-in im Marketing“ versuch's mal mit „Werkstudent/-in im Marketing: Betreuung der Social-Media-Kanäle, Erstellung von Content-Posts und Analyse der Kampagnen-Performance."
Durch beschreibende Stichworte wie „Betreuung“, „Erstellung“ und „Analyse“ machst du deine aktive Rolle sichtbar und hebst wichtige Skills hervor, sodass sich Recruiter/-innen direkt ein Bild von dir machen können.
- Praktika verschweigen, weil sie zu kurz waren
Auch zwei Wochen können wertvoll sein, wenn sie fachlich passen. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern was du lernen konntest.
- Soft Skills weglassen
Selbst wenn sie dir auf den ersten Blick klein vorkommen - Soft Skills machen oft den Unterschied in deiner Bewerbung:
- Teamfähigkeit
Wenn du schon eine Uni-Gruppenarbeit mit Besserwisser/-innen und Nichtstuenden überlebt hast, weißt du: Nichts kann dich mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Diese Erfahrung zeigt, dass du Konflikte moderieren kannst und trotzdem Ergebnisse lieferst. - Organisation
Studium, Nebenjob und Freizeit gleichzeitig jonglieren? Wer das schafft, hat echtes Zeitmanagement drauf. Deadlines im Job wirken im Vergleich fast entspannt. - Kommunikationsstärke
Ob Praktikum mit Präsentationen oder der Nebenjob im Service, in dem du die zehnte Beschwerde charmant gelöst hast: Hier beweist du, dass du souverän bleibst und dich klar ausdrücken kannst – egal, wie stressig es wird.
- Teamfähigkeit
So könnten deine Stationen entsprechend im Lebenslauf aussehen:
- Werkstudent/-in Projektmanagement (20 Std./Woche) – Unterstützung bei der Planung und Durchführung von Projekten, paralleles Studium mit erfolgreichem Abschluss
→ zeigt Belastbarkeit und Priorisierungsfähigkeit - Teilzeitjob im Einzelhandel (15 Std./Woche) – Kundenberatung, Kassentätigkeiten und Warenorganisation
→ bewiesene Serviceorientierung, Organisationstalent und Umgang mit hoher Arbeitsbelastung - Studentische Hilfskraft (10 Std./Woche) – Recherche, Erstellung von Präsentationen und Betreuung von Tutorien
→ deutet auf eigenständiges Arbeiten und Zeitmanagement neben dem Studium hin
So wird Berufserfahrung zum Karriere-Boost 💫
Wie du merkst, werden deine Erfahrungen erst dann stark, wenn du sie richtig verpackst. Mit diesen 6 Bewerbungstipps gelingt dir das easy!
6 Tipps, wie du deine Erfahrungen überzeugend präsentierst
- Feedback einholen:
Was für dich wie Routine erscheint („Klar habe ich die Projektplanung gemacht“) kann für Freunde, Familie oder Kommiliton/-innen eine eindeutige Stärke sein („Du hast doch die ganze Projektplanung gemacht - das war mega!“).
Was dir selbst gar nicht mehr auffällt, weil es für dich längst Normalität geworden ist, kann im Lebenslauf genau das Alleinstellungsmerkmal sein, das Recruiter/-innen überzeugt.
Dozierende oder Profis im Career Service können dir im Nachgang nochmals einen geschärften Blick geben und helfen deine Erfahrungen im Lebenslauf gezielt zu verpacken. - Relevanz betonen:
Schreibe nicht nur auf, was du gemacht hast, sondern warum dich diese Erfahrung für die Stelle qualifiziert.
Die Formulierung „Organisation von Workshops“ zeigt zwar deine Tätigkeit, aber ist längst noch nicht alles. Kommunikationsstärke, Menschenkontakt, strukturiertes Arbeiten unter Zeitdruck sind echte Pluspunkte für deinen nächsten Job. - Stichpunkte statt Floskeln:
Vermeide allgemeine Phrasen wie „viel gelernt“ oder „vielfältige Aufgaben“.
Nutze besser kurze, konkrete Stichpunkte mit messbaren Ergebnissen.
Zum Beispiel wirkt „Betreuung von drei Social-Media-Kanälen mit insgesamt 15.000 Follower/-innen“ deutlich stärker als „Mitarbeit im Social-Media-Bereich“. - Verantwortung zeigen:
Egal ob Praktikum, Werkstudijob, Nebenjob oder Ehrenamt – betone, wo du Verantwortung übernommen hast. Auch kleine Projekte zeigen, dass man dir Aufgaben anvertraut hat. Das signalisiert Zuverlässigkeit und Eigeninitiative – Eigenschaften, die in jedem Job zählen. - Nutze das Wort „einschlägig“ smart und an den richtigen Stellen:
Formulierungen wie „einschlägige Praxiserfahrung im Eventmanagement“ oder „einschlägige Kenntnisse in der Finanzanalyse“ klingen überzeugend und machen deutlich: Hier hast du nicht nur theoretisches Wissen, sondern bereits Praxis gesammelt.
Aber: Nutze das Wort gezielt und nur dort, wo es wirklich passt – sonst wirkt es schnell aufgesetzt.
Fazit
Berufserfahrung beginnt nicht erst nach dem Abschluss – sie wächst schon viel früher. Jeder Nebenjob, jedes Praktikum, jede Projektarbeit an der Uni oder im Ehrenamt gibt dir wertvolle Kompetenzen, die du später im Beruf einsetzen kannst. All das sind Bausteine, die dich qualifizieren.
Viele unterschätzen, wie stark diese Beispiele wirken können, wenn man sie richtig formuliert. Entscheidend ist, dass du diese Erfahrungen nicht kleinredest, sondern zeigst, welche Fähigkeiten du dadurch entwickelt hast.
Lass dich nicht verunsichern - kaum jemand startet nach dem Studium mit zehn Jahren „einschlägiger“ Erfahrung. Was zählt, ist, dass du dein Potenzial sichtbar machst, deine Lernbereitschaft betonst und dir zutraust, die nächsten Schritte zu gehen.
Wie das am Ende in deiner Bewerbung aussehen kann zeigen wir dir hier!
FAQ
Was zählt als Berufserfahrung?
Was bedeutet „einschlägige Erfahrung“?
Zum Beispiel ist ein Werkstudijob im Marketing einschlägig für eine Stelle im Online-Marketing, ein Kellnerjob dagegen nicht.
Kurz gesagt: Einschlägig bedeutet, dass du schon mit den Aufgaben, Tools oder Themen gearbeitet hast, die im Zieljob gefordert sind.