Neue Uniwunder-Umfrage zeigt: 72 Prozent beklagen zu wenige Einstiegsjobs, 62 Prozent erleben Ghosting durch Unternehmen – und mehr als die Hälfte sorgt sich um ihre berufliche Zukunft
Dresden,
Oktober 2026 – Das neue Ausbildungsjahr
ist angelaufen, an den Hochschulen hat das Wintersemester begonnen. Für viele
junge Menschen rückt damit auch die Frage nach dem beruflichen Einstieg in den
Mittelpunkt. Doch wie sieht die Realität auf dem Arbeitsmarkt aktuell aus?
Während Unternehmen über Digitalisierung, Fachkräftebedarf und Künstliche
Intelligenz diskutieren, erleben viele Nachwuchskräfte einen schwierigen Start
ins Berufsleben. Eine aktuelle Befragung des Dresdner Unternehmens Uniwunder
unter 139 Studierenden und Hochschulabsolventen ohne erste Festanstellung
zeichnet ein ernüchterndes Bild: 72 Prozent halten das Angebot an Junior- und
Einstiegspositionen in ihrer Branche für zu knapp. 62 Prozent berichten davon,
von Unternehmen im Bewerbungsprozess geghostet zu werden. Gleichzeitig wächst
die Sorge, dass Künstliche Intelligenz ausgerechnet jene Aufgaben übernimmt,
über die Berufseinsteiger bislang erste Erfahrungen sammeln konnten.
Zu wenige Stellen, zu hohe
Anforderungen
Besonders
deutlich zeigt sich die schwierige Situation beim Angebot an
Einstiegspositionen. 55 Prozent der Befragten geben an, dass es in ihrer
Branche zu wenige Junior-Stellen gibt. Weitere 17 Prozent sehen so gut wie gar
keine entsprechenden Angebote mehr. Lediglich 23 Prozent empfinden das
Stellenangebot als ausgewogen, fünf Prozent als mehr als ausreichend.
Auch
die Anforderungen der Unternehmen werden kritisch gesehen. 58 Prozent der
Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Erwartungen an Bewerber für
Junior-Positionen zu hoch seien. Gleichzeitig halten 79 Prozent die Zahl der
angebotenen Junior-Jobs für unzureichend.
Die
Folgen zeigen sich im Bewerbungsalltag: Unter den aktiv Jobsuchenden sind 43
Prozent bereits seit mindestens drei Monaten auf der Suche nach einer
Anstellung. Bei der Zahl der Bewerbungen zeigt sich ebenfalls ein hoher
Aufwand. 39 Prozent derjenigen, die hierzu Angaben machten, haben bereits
mindestens 30 Bewerbungen geschrieben, rund zwölf Prozent sogar 70 oder mehr.
„Wir
erleben derzeit eine Situation, in der viele junge Menschen motiviert und gut
ausgebildet auf den Arbeitsmarkt kommen, dort aber auf hohe Einstiegshürden
treffen. Unternehmen suchen häufig nach möglichst passgenauen Qualifikationen
und Berufserfahrung. Gerade Berufseinsteiger müssen jedoch erst die Möglichkeit
bekommen, diese Erfahrung zu sammeln. Wer ausschließlich nach dem perfekten
Lebenslauf sucht, übersieht möglicherweise großes Potenzial“, erklärt Matthias
Auer, Geschäftsführer von Uniwunder.
Ghosting statt Rückmeldung:
Bewerbungsprozesse sorgen für Frust
Neben
dem knappen Stellenangebot kritisieren die Befragten auch den Umgang vieler
Unternehmen mit Bewerbern. 62 Prozent geben an, Ghosting durch Arbeitgeber zu
erleben – also nach einer Bewerbung oder im weiteren Auswahlprozess keine
Rückmeldung mehr zu erhalten. 61 Prozent empfinden die Bewerbungsprozesse als
zu langwierig.
Damit
zeigt sich ein Problem, das über die unmittelbare Jobsuche hinausgeht. Denn wie
Unternehmen mit Bewerbern umgehen, prägt auch ihre Wahrnehmung als Arbeitgeber.
Fehlende Rückmeldungen, lange Wartezeiten und unpersönliche Kommunikation
können das Vertrauen potenzieller Mitarbeiter bereits vor dem ersten Arbeitstag
beeinträchtigen.
„Employer
Branding endet nicht bei einer attraktiven Stellenanzeige oder einer modernen
Karriereseite. Gerade im Bewerbungsprozess zeigt sich, wie ernst Unternehmen
ihre eigenen Werte nehmen. Wer jungen Menschen Wertschätzung und eine offene
Unternehmenskultur verspricht, sie dann aber wochenlang ohne Rückmeldung lässt,
beschädigt seine eigene Arbeitgebermarke“, so Auer.
KI verändert den Berufseinstieg –
und sorgt für Zukunftsängste
Zu
den klassischen Schwierigkeiten bei der Jobsuche kommt eine neue Unsicherheit:
die zunehmende Verbreitung Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt.
64
Prozent der Befragten befürchten, dass KI klassische Aufgaben für
Berufseinsteiger wegrationalisiert. 44 Prozent stimmen der Aussage zu, dass KI
Absolventen Junior-Jobs wegnimmt. Mehr als die Hälfte, 55 Prozent, berichtet
von Zukunftsängsten hinsichtlich der eigenen Berufsaussichten.
Auch
die Anforderungen an die Qualifikation verändern sich aus Sicht der jungen
Generation. 60 Prozent gehen davon aus, sich durch KI komplexere Fähigkeiten
aneignen zu müssen. 46 Prozent befürchten sogar, beim Einstiegsgehalt Abstriche
machen zu müssen, weil KI bestimmte Tätigkeiten kostengünstiger übernehmen
kann.
Die
Entwicklung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie sollen junge Menschen
Berufserfahrung sammeln, wenn gerade jene Tätigkeiten automatisiert werden, die
bislang den Einstieg in den Arbeitsalltag ermöglicht haben?
Die Generation Z sieht in KI aber
auch eine Chance
Trotz
der Sorgen fällt das Urteil über Künstliche Intelligenz keineswegs
ausschließlich negativ aus. 76 Prozent der Befragten sehen in KI die
Möglichkeit, Wissenslücken im Berufsalltag eigenständig zu schließen. 66
Prozent glauben, dass ihnen ihre KI-Affinität einen Wettbewerbsvorteil
gegenüber älteren Beschäftigten verschaffen kann. Knapp die Hälfte, 49 Prozent,
sieht durch KI sogar neue Berufsfelder entstehen.
Die
junge Generation reagiert darauf durchaus aktiv: 54 Prozent der Befragten
bilden sich bereits gezielt im Umgang mit KI weiter, beispielsweise durch die
Nutzung entsprechender Tools oder den Erwerb von Prompting-Kenntnissen. Weitere
15 Prozent orientieren sich beruflich in Bereiche um, die sie als weniger stark
durch KI gefährdet einschätzen.
Insgesamt
zeigt sich ein differenziertes Bild: 29 Prozent betrachten KI eher als
Bedrohung für ihren Karrierestart, 28 Prozent eher als Chance. Mit 42 Prozent
nimmt die größte Gruppe eine neutrale Haltung ein.
Unternehmen müssen den
Berufseinstieg neu denken
Die
Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Herausforderungen für junge
Berufseinsteiger verändern. Neben einem angespannten Stellenmarkt und hohen
Anforderungen müssen sie sich zunehmend auf neue technologische Entwicklungen
einstellen.
Für
Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe: Einerseits gilt es, den
Einsatz von KI sinnvoll zu gestalten und Nachwuchskräften weiterhin
Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Andererseits müssen Recruiting-Prozesse so
gestaltet werden, dass Potenziale, Lernbereitschaft und persönliche Fähigkeiten
ausreichend berücksichtigt werden.
„KI
kann Unternehmen und Beschäftigte produktiver machen. Deswegen aber auf
Nachwuchstalente zu verzichten, könnte sich später rächen. Gerade junge
Mitarbeiter bringen neue Perspektiven, technologische Offenheit, KI-Erfahrung und Entwicklungspotenzial mit.
Unternehmen, die heute nicht in diese Generation investieren, riskieren, dass
ihnen morgen wichtige Kompetenzen fehlen“, erklärt Auer.
Die
Uniwunder-Befragung zeigt damit vor allem eines: Der Einstieg ins Berufsleben
ist für viele junge Menschen derzeit mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Gleichzeitig sind sie bereit, sich auf neue Anforderungen einzustellen.
Entscheidend wird sein, ob Unternehmen ihnen dafür auch die entsprechenden
Chancen eröffnen.
Über die Studie
Die
„Job-Befragung 2026: Wie verändert KI den Start ins Berufsleben?“ wurde von
Uniwunder zwischen dem 7. Juli und dem 28. August 2026 als Online-Befragung
durchgeführt. Insgesamt nahmen 168 Personen teil. In die Auswertung flossen die
Antworten von 139 Studierenden und Hochschulabsolventen ohne erste
Festanstellung ein. Vertreten waren unter anderem Wirtschafts-, Sozial-,
Geistes-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Die Stichprobe ist nicht
repräsentativ für alle Studierenden in Deutschland.
Über Uniwunder
Uniwunder
ist ein Unternehmen mit Sitz in Dresden, das sich auf die Ansprache und
Begleitung von Studierenden und jungen Akademikern beim Übergang in das
Berufsleben spezialisiert hat. Mit seinen Angeboten und Befragungen beschäftigt
sich das Unternehmen unter anderem mit den Erwartungen der jungen Generation an
Arbeitgeber und den Herausforderungen im Recruiting.
Datengrundlage: Uniwunder, Jobeinstiegs-Befragung 2026