Fachschaftsrat: So gestaltest du dein Studium mit (und was es dir bringt)

Nur 6 Minuten Lesezeit

veröffentlicht am 21.05.2025
von Ella StellmacherElla StellmacherElla ist duale Studentin im Marketingmanagement mit Vertiefung Online Marketing und seit 2025 bei Uniwunder dabei. Da sie bereits ein Studium komplett durchlaufen hat, weiß sie genau, wo es zwischen Immatrikulation und BA-Verteidigung typischerweise hakt. Ihre Themen: Thesis schreiben, BAföG und alles rund ums Wohnen, ob WG oder allein.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Fachschaftsrat ist die gewählte Vertretung der Studis deines Fachs, die Fachschaft selbst sind alle Studis des Fachs.
  • Für den Einstieg musst du nicht sofort gewählt werden, oft kannst du auch als Gast in einer Sitzung oder bei einem Projekt mitmachen.
  • Im Vergleich der Gremien vertritt der Fachschaftsrat dein Fach, das StuPa ist das Parlament der ganzen Hochschule und der AStA setzt dessen Beschlüsse um.
  • Als Tutor/-in kannst du bezahlt mitgestalten und dabei Lehrerfahrung sammeln.
  • Engagement stärkt deine Soft Skills, dein Netzwerk und deinen Lebenslauf, kostet aber auch Zeit, die du realistisch einplanen solltest.

Wer entscheidet eigentlich, welche Wahlmodule nächstes Semester angeboten werden, wie eine Klausur ausfällt oder was die Ersti-Woche kostet? Häufig sitzen dort Studis mit am Tisch, und der Fachschaftsrat ist meist der unkomplizierteste Weg, selbst Teil davon zu werden. Du musst dafür weder Politik-Profi sein noch ein besonders guter Redner. Wichtig ist nur, dass du Lust hast, dein Studium ein Stück besser zu machen.

Was ist ein Fachschaftsrat und was macht er? 🧭

Die Fachschaft sind alle Studis eines Fachs oder Fachbereichs, du gehörst also automatisch dazu. Der Fachschaftsrat (kurz FSR) ist die von der Fachschaft gewählte Vertretung. An manchen Hochschulen heißt er etwas anders, etwa Fachschaftsvertretung, gemeint ist aber immer das Gleiche. Der Fachrat dagegen ist etwas völlig anderes: Dort sitzen Professor/-innen und Mitarbeitende, der Fachschaftsrat besteht nur aus Studis.

‍

Was er konkret macht, hängt von Hochschule und Fach ab. Typisch sind:

  • Gremienarbeit: Mitglieder sitzen für die Studis in Fakultätsrat, Prüfungsausschuss oder Studienkommission und sprechen dort mit.
  • Beratung: Du kannst bei Fragen zu Prüfungsordnung, Fristen oder Fachwechsel vorbeikommen, meist in einer festen Sprechstunde.
  • Ersti-Betreuung: Viele Fachschaftsräte planen die Orientierungstage und die Ersti-Woche. Wie das aussieht, steht in unserem Artikel zur Ersti-Woche.
  • Veranstaltungen: Partys, Kneipenabende, Lerngruppen oder Vorträge von Absolvent/-innen, alles das wird häfig von Fachschaften organisiert.
  • Budget: Je nach Bundesland und Hochschule verwaltet der Fachschaftsrat eigene Mittel und entscheidet mit, wofür sie ausgegeben werden.

Wie viel davon an deiner Uni gilt und wie genau deine Uni organisiert ist, steht in der Satzung deiner Studierendenschaft oder auf der Website deines Fachschaftsrats.

Wie kommst du in den Fachschaftsrat? 🗳️

Die gute Nachricht: Der Einstieg ist meist gar nicht so kompliziert. So gehst du vor:

‍

Schritt 1: Finde deinen Fachschaftsrat

Such nach dem Namen deines Fachs plus "Fachschaftsrat" oder "FSR". Fast alle haben eine Website, einen Instagram-Account oder einen Raum auf dem Campus.

‍

Schritt 2: Komm als Gast zu einer Sitzung

Viele Fachschaftsräte tagen offen. Frag per Nachricht oder schau einfach vorbei. Du lernst die Leute kennen und merkst schnell, ob die Arbeit zu dir passt.

‍

Schritt 3: Hilf bei einem konkreten Projekt mit

Auch ohne Wahl kannst du an vielen Hochschulen mitmachen, zum Beispiel bei der Ersti-Woche oder einer Party. Das ist der sanfteste Einstieg.

‍

Schritt 4: Kandidiere bei der nächsten Wahl

Die Fachschaftsvertretung oder der Fachschaftsrat wird häufig einmal im Jahr gewählt, Termin und Ablauf legt aber deine Hochschule fest. Für die Kandidatur reicht meist eine kurze Anmeldung innerhalb einer Frist. Achte also auf Aushänge und Mails.

Tipp: Schreib deinem Fachschaftsrat einfach "Ich würde gern mal reinschauen, wann ist die nächste Sitzung?". Die meisten freuen sich über Nachwuchs, weil gerade Erstis im FSR oft fehlen.

Fachschaftsrat, AStA und StuPa im Vergleich ⚖️

Neben dem Fachschaftsrat tauchen ständig weitere Abkürzungen auf. Alle gehören zur Studierendenvertretung, haben aber unterschiedliche Rollen. In den meisten Bundesländern bilden alle Studis zusammen die Studierendenschaft, und die organisiert sich so:

‍
FSR (Fachschaftsrat)
StuPa (Studierendenparlament)
AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss)
Ebene
Fach oder Fachbereich
gesamte Hochschule
gesamte Hochschule
Rolle
Vertretung der Studis eines Fachs
Parlament der Studierendenschaft
ausführendes Organ (Exekutive)
Besetzung
von der Fachschaft gewählt
von allen Studis gewählt
vom StuPa gewählt
Typische Aufgaben
Fachberatung, Ersti-Betreuung, Veranstaltungen
beschließt Haushalt und Grundsatzfragen
Beratung, Service, Projekte, setzt Beschlüsse um

Die Namen und Zuständigkeiten variieren je nach Hochschule und Bundesland. Bayern ist ein Sonderfall: Dort gibt es keine verfasste Studierendenschaft im beschriebenen Sinn, die Mitwirkung läuft über andere Gremien wie Sprecher- und Studierendenrat.1 Wenn du dich in der Hochschulpolitik einbringen willst, kannst du in jedem dieser Gremien kandidieren, vom Fachschaftsrat bis zum StuPa.

Hochschulgremien: Wo Studierende mitbestimmen 🏛️

Neben der Studierendenvertretung gibt es die akademische Selbstverwaltung. Das sind die Gremien, in denen die Hochschule selbst Entscheidungen trifft, und Studis sitzen dort mit Stimme. Je nach Landesgesetz und Hochschule gehören dazu zum Beispiel:

  • Senat: zentrales Gremium der Hochschule, das über Satzungen und grundsätzliche Fragen berät.
  • Fakultätsrat oder Fachbereichsrat: entscheidet etwa über Studien- und Prüfungsordnungen deines Fachbereichs.
  • Prüfungsausschuss: kümmert sich um Anerkennungen, Fristen und Härtefälle.
  • Studienkommission oder Studienbeirat: bewertet die Qualität der Lehre und schlägt Verbesserungen vor.

Wie viele Studis in einem Gremium sitzen und wie viel Stimmgewicht sie haben, regelt das jeweilige Landeshochschulgesetz. Meist sind Studis in der Minderheit, aber ihre Stimme zählt: Wer dabei ist, kann Anträge einbringen und erfährt früh, was an der Hochschule geplant ist. Die Studis in diesen Gremien werden in der Regel bei der Hochschulwahl gewählt, oft über Hochschulgruppen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Hochschulpolitik, Hochschulgruppen & Ehrenamt 🌱

Der Fachschaftsrat ist nicht der einzige Weg. Falls dir die Gremienarbeit zu formal ist oder dein Fach keinen aktiven FSR hat, gibt es Alternativen:

  • Hochschulgruppe: Das sind Zusammenschlüsse von Studis mit gemeinsamem Thema, von politischen Listen bei der Hochschulwahl bis zu Fachgruppen, Theater, Nachhaltigkeit oder Studienberatung. Du findest sie über die Website deines AStA oder auf dem Hochschulgruppen-Markt zu Semesterbeginn.
  • Hochschulpolitik: Wer sich für Wahlen und Gremienarbeit interessiert, kann bei einer Liste mitmachen, die zur Hochschulwahl antritt. Dort lernst du, wie Entscheidungen an der Uni entstehen.
  • Ehrenamt für Studis: Vom Buddy-Programm für internationale Studierende bis zur Nachhilfe für Schüler/-innen gibt es an fast jedem Standort Angebote. Frag beim Studierendenwerk, beim AStA oder im Akademischen Auslandsamt nach.

Wichtig ist, dass dir das Engagement Spaß macht. Studentisches Engagement lohnt sich nur, wenn du es auch möchtest.

Tutor/-in werden: Mitgestalten mit Lehrerfahrung 🎓

Wenn du lieber lehrst als Sitzungen leitest, ist die Tutor:in-Rolle spannend. Tutor:innen begleiten Erstis oder Studis in niedrigeren Semestern, oft in einem Tutorium zu einem Modul wie Statistik, Mathe oder wissenschaftlichem Arbeiten. Du wiederholst den Stoff, beantwortest Fragen und bereitest Übungen vor. Das ist bezahlte Hochschularbeit und damit auch eine Alternative zum klassischen [INTERNER LINK: Nebenjob als Student].

‍

So wirst du Tutor/-in:

  1. Fachlich fit sein: Meist brauchst du eine gute Note im jeweiligen Modul und bist selbst schon einige Semester weiter.
  2. Auf Ausschreibungen achten: Die Stellen hängen oft an Instituten oder Lehrstühlen und werden zu Semesterbeginn ausgeschrieben. Frag bei Dozierenden nach.
  3. Kurz bewerben: Meist reichen ein Anschreiben, Notenübersicht und manchmal ein Gespräch.
  4. Schulung mitmachen: Viele Hochschulen bieten eine Tutor/-innen-Schulung in Didaktik an.

Bei der Vergütung hängt viel vom Bundesland und der Hochschule ab. Als grobe Orientierung: Für studentische Hilfskräfte ohne Abschluss legen die Richtlinien der Tarifgemeinschaft deutscher Länder seit April 2026 eine Obergrenze von rund 15 € pro Stunde fest, mit Bachelor liegt sie etwas darüber.² An der Uni Tübingen sind für Tutor/-innen im Wintersemester 2026/27 zum Beispiel 15,20 € für Studis ohne Abschluss und 16,09 Euro mit Bachelor ausgeschrieben.³ Die genauen Sätze stehen in der Stellenausschreibung deiner Hochschule.

Was bringt dir das Engagement? Zeitaufwand, Lebenslauf, Soft Skills 💼

Ehrlich gesagt: Engagement kostet Zeit. Wie viel, hängt stark davon ab. Ein regelmäßiger Sitzungstermin pro Woche plus gelegentliche Projekte sind im Fachschaftsrat oft üblich, in Hochschulgremien kommt Vorbereitungszeit dazu. Plane deshalb realistisch und sag früh, wenn es dir zu viel wird. Gerade in Klausurphasen ist das völlig in Ordnung.

Dafür bekommst du einiges zurück:

  • Soft Skills: Moderieren, verhandeln, Projekte planen und Budgets verwalten, also das, was Arbeitgeber/-innen mit Teamfähigkeit und Eigeninitiative meinen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Softskills.
  • Lebenslauf: Ehrenamt zeigt Verantwortungsbewusstsein. Wie du es sinnvoll darstellst, zeigen wir dir hier.
  • Netzwerk: Du lernst Dozierende, Mitarbeitende und Studis aus höheren Semestern kennen, die dir später bei Praktikum oder Abschlussarbeit helfen können.
  • Studienwissen: Wer in Gremien sitzt, kennt Prüfungsordnung und Fristen aus erster Hand.

Ob es dafür Credits gibt, entscheidet deine Hochschule. An manchen Standorten lässt sich Engagement im Bereich Schlüsselkompetenzen anrechnen. Frag dazu am Besten mal bei deinem Prüfungsamt nach.

Fazit

Ob Fachschaftsrat, Gremium oder Tutorium: Mitgestalten fängt klein an, zum Beispiel mit einer Nachricht an deinen FSR oder einem Besuch in der nächsten Sitzung. Du musst dich nicht sofort festlegen und kannst jederzeit wieder aussteigen. Such dir den Weg, der zu deinem Fach, deinem Zeitplan und deinen Stärken passt. Dein Studium prägst du am Ende selbst, und Engagement ist eine der besten Gelegenheiten dazu.

FAQ

Was ist ein Fachschaftsrat und was macht er?

Der Fachschaftsrat ist die gewählte Studierendenvertretung eines Fachs oder Fachbereichs. Er vertritt die Interessen der Studis in Gremien, berät bei Fragen zum Studium und organisiert Veranstaltungen wie die Ersti-Woche. Die Fachschaft selbst sind alle Studis des Fachs.

Wie komme ich in den Fachschaftsrat, und muss ich dafür gewählt werden?

Offiziell wirst du bei einer Fachschaftswahl gewählt, mitmachen kannst du an vielen Hochschulen aber auch ohne Wahl. Besuche eine offene Sitzung, hilf bei Projekten mit und kandidiere, wenn es dir gefällt. Die Regeln legt deine Hochschule fest.

Was ist der Unterschied zwischen Fachschaftsrat, AStA und Studierendenparlament?

Der Fachschaftsrat vertritt die Studis eines Fachs, das Studierendenparlament (StuPa) die Studis der gesamten Hochschule und der AStA setzt als ausführendes Organ die Beschlüsse des StuPa um. Die Bezeichnungen variieren je nach Bundesland und Hochschule.

Bringt mir Engagement im Studium etwas für Lebenslauf oder Credits?

Für den Lebenslauf ja: Du zeigst Soft Skills wie Teamarbeit, Organisation und Verantwortung. Credits gibt es nur an manchen Hochschulen, etwa im Bereich Schlüsselkompetenzen. Frag bei deinem Prüfungsamt nach.

Wo finde ich als Erstsemester ehrenamtliche Angebote an meiner Uni?

Frag beim AStA, bei deinem Fachschaftsrat, beim Studierendenwerk oder auf dem Hochschulgruppen-Markt zu Semesterbeginn. Dort bekommst du eine Übersicht aller Gruppen und Projekte.

?
?