Losverfahren: Was ist das und wie kommst du so an einen Studienplatz?
Nur 6 Minuten Lesezeit
Das Wichtigste auf einen Blick
- Losverfahren: Hochschulen verlosen damit Restplätze, die nach dem regulären Verfahren frei geblieben sind
- Anmeldung: direkt bei der Hochschule, meist nur in einem Zeitfenster von wenigen Tagen
- Voraussetzung: keine Mindestnote nötig, aber je nach Hochschule gelten Regeln (z. B. zur vorherigen Bewerbung)
- Medizin-Studiengänge: jede Hochschule lost selbst, es sind also mehrere Anträge an mehreren Standorten möglich
- Chancen: nie sicher, aber jeder Antrag kostet dich nix
Was ist das Losverfahren bei der Studienplatzvergabe?💡
Beim Losverfahren werden Studienplätze verlost, die nach dem regulären Vergabeverfahren und dem Nachrücken noch frei sind. Wenn du einen Antrag stellst, landest du automatisch im Lostopf. Ob du einen Platz bekommst, entscheidet dann der Zufall und nicht mehr deine Abiturnote.
Das Losverfahren im Studium ist also keine eigene Bewerbungsrunde mit Auswahlgespräch, sondern ein Notnagel für Plätze, die sonst leer blieben. Das kann zum Beispiel passieren, wenn Zugelassene ihren Platz nicht annehmen. Weil jede Hochschule das Verfahren selbst organisiert, heißt das Ganze manchmal auch Restplatzvergabe oder Studienplatz-Verlosung. Gemeint ist aber immer dasselbe.
So funktioniert das Losverfahren⚙️
Der genaue Ablauf unterscheidet sich je nach Hochschule. Das Grundmuster ist aber an den meisten Unis gleich:
1. Das reguläre Verfahren und das Nachrücken abwarten
Zuerst läuft die normale Vergabe, bei zulassungsbeschränkten Fächern oft über hochschulstart.de oder direkt über die Hochschule. Danach kommt das Nachrücken. Erst wenn danach noch Plätze übrig sind, gibt es eine Verlosung.
2. Auf der Hochschulseite nach dem Losverfahren suchen
Such auf der Website deiner Wunschuni nach "Losverfahren" oder "Restplätze", meist beim Studierendensekretariat oder Zulassungsamt. Dort steht, ob die Hochschule überhaupt lost und für welche Studiengänge.
3. Frist notieren und den Antrag stellen
Das Zeitfenster ist kurz. An der Uni Kiel lief es zum Wintersemester 2026/27 zum Beispiel nur vom 28. September bis 2. Oktober, und Anträge, die vor Fristbeginn eingehen, werden nicht berücksichtigt.1 Trag dir deshalb schon im Spätsommer einen Kalendertermin ein, statt auf eine Erinnerung zu hoffen.
4. Auslosung abwarten und auf den Bescheid reagieren
Nach der Auslosung bekommst du Bescheid. Bei einer Zusage zählt dann wieder Tempo: Frist zur Annahme und Einschreibung im Blick behalten. Wie das geht, erklären wir dir im Artikel zum Immatrikulationsantrag.
Wer kann am Losverfahren teilnehmen?👥
Grundsätzlich darfst du dich mit deiner Hochschulzugangsberechtigung bewerben, die Abiturnote spielt bei der Auslosung selbst keine Rolle. Wie viel Vorgeschichte erlaubt ist, regelt jede Hochschule anders. Die Uni Göttingen schreibt zum Beispiel vor, dass du dich zuvor noch nicht auf einen Studienplatz im jeweiligen Studiengang beworben haben darfst. Einen Platz, den du schon hast, verlierst du durch die Teilnahme dort nicht.² An anderen Hochschulen kann das anders aussehen, deshalb zählt der Blick in die Teilnahmebedingungen vor dem Antrag.
Bei fast allen Hochschulen gilt außerdem: Gelost wird für das erste Fachsemester. Wer schon studiert hat und wechseln will, sollte vorher bei der jewiligen Hochschule nachlesen, ob das Verfahren dafür auch offen ist.
Losverfahren vs. Nachrückverfahren: der Unterschied🔍
Beides bringt Restplätze an Studis, aber nach unterschiedlichen Regeln.
Nachrückverfahren:
Hier rücken abgelehnte Bewerber/-innen nach, die im Verfahren schon erfasst sind. Bei hochschulstart nehmen für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie die Hochschulen automatisch teil, wenn Plätze frei sind. Du bekommst dazu eine E-Mail und erklärst deine Teilnahme in deinem Benutzerkonto.³
Losverfahren:
Hier entscheidet das Los unter den Anträgen, und zwar bei der jeweiligen Hochschule. Eine zentrale Anmeldung dafür gibt es in der Regel nicht.
Die Reihenfolge ist deshalb: erst regulär bewerben, dann auf das Nachrücken achten, danach das Losverfahren nutzen.
Sollte es nicht klappen, ist das auch kein Weltuntergang. Während du auf den Start des neuen Semesters wartest kannst du nämlich ganz automatisch Wartesemester sammmeln. Wie das genau funktioniert zeigt dir unser Überblick: Was ist ein Wartesemester?.
Losverfahren in Medizin und Zahnmedizin🩺
Medizin ist das Fach, bei dem die meisten Studis nach dem Losverfahren suchen. Das liegt an der hohen Nachfrage und den wenigen Plätzen. Ein bundesweites Losverfahren gibt es aber nicht: Jede Hochschule entscheidet selbst, ob sie Restplätze verlost, wie du dich anmeldest und bis wann.
Das bedeutet für dich:
- Mehrere Anträge sind möglich: Wenn du dich an mehreren Hochschulen bewirbst, erhöhst du deine Chancen. Die Losverfahren der Charité in Berlin, der Uni Mainz, der Uni Göttingen und anderer Standorte laufen unabhängig voneinander.
- Jede Hochschule hat ihre eigenen Fristen: Notier sie einzeln, lass dich nicht von Sammelseiten täuschen, die manche Zeiträume nur grob nennen.
- Humanmedizin und Zahnmedizin sind getrennte Anträge: Pro Studiengang ist ein eigener Antrag nötig, wenn du beide Fächer in den Lostopf legen willst.
Losverfahren in anderen NC-Fächern🔬
Medizin ist nicht das einzige Fach mit Losverfahren. Auch in anderen zulassungsbeschränkten Studiengängen verlosen Hochschulen freie Plätze, etwa in Psychologie. Dort lohnt sich die Suche vor allem an großen Unis mit vielen Bewerbungen, bei denen am Ende Plätze offen bleiben.
Ob das bei deinem Fach der Fall ist, steht in der Regel nur auf der Hochschulseite: Suche dort nach dem Fach plus "Losverfahren" oder "Restplätze". Bei kleinen Fächern gibt es oft gar keine Verlosung, sondern ein Nachrückverfahren oder die Studienplatzbörse der Hochschulrektorenkonferenz auf hochschulkompass.de.
Chancen im Losverfahren🍀
Ehrlich gesagt: Eine feste Quote gibt es nicht. Die Chancen im Losverfahren hängen davon ab, wie viele Plätze übrig bleiben und wie viele Studis sich gleichzeitig bewerben. Beides schwankt von Semester zu Semester. In stark nachgefragten Fächern wie Medizin sind die Chancen pro Antrag klein, in anderen NC-Fächern oft deutlich besser.
Was du tun kannst, um deine Chancen zu erhöhen:
- An mehreren Hochschulen einen Antrag stellen.
- Fristen früh im Kalender markieren, damit du kein Fenster verpasst.
- Den Antrag selbst bei der Hochschule stellen, statt dafür einen kostenpflichtigen Dienst zu buchen.
Und wenn es trotzdem nicht klappt? Dann hast du mehrere Optionen: Wartesemester sammeln, die Zeit mit einem Gap Year sinnvoll nutzen oder einen Blick auf ein duales Studium werfen, bei dem der Zugang über den Betrieb läuft. Mit einer Zusage im Gepäck wartet danach der Start ins Studium.
Fazit
Das Losverfahren ist kein Garant, aber ein guter zweiter Versuch, wenn der NC dich ausgebremst hat. Du brauchst dafür nur Aufmerksamkeit für Fristen und ein bisschen Papierkram. Such dir heute noch die Seiten deiner Wunschhochschulen heraus und trag die Antragstermine in deinen Kalender ein. Wir drücken dir die Daumen!
FAQ
Was ist das Losverfahren bei der Studienplatzvergabe?
Beim Losverfahren verlosen Hochschulen Studienplätze, die nach dem regulären Vergabeverfahren und dem Nachrücken frei geblieben sind. Mit einem Antrag kannst auch du daran teilnehmen.
Wie funktioniert das Losverfahren und wer kann daran teilnehmen?
Du suchst auf der Hochschulseite das Antragsfenster, stellst den Antrag direkt dort und wartest die Auslosung ab. Teilnehmen darfst du grundsätzlich mit Hochschulzugangsberechtigung, die genauen Bedingungen legt aber jede Hochschule selbst fest.
Wie bewirbt man sich fürs Losverfahren (Antrag, Frist, Hochschule)?
Der Antrag läuft direkt bei der jeweiligen Hochschule, meist online über ein Formular oder Portal. Die Frist dauert oft nur wenige Tage, deshalb solltest du den Termin früh recherchieren und notieren.
Wann beginnt das Losverfahren und wann bekommt man Bescheid?
Es beginnt, wenn das reguläre Verfahren und das Nachrücken abgeschlossen sind, im Wintersemester also meist im Herbst. Den Bescheid bekommst du nach der Auslosung, den genauen Termin nennt die Hochschule.
Was ist der Unterschied zwischen Losverfahren und Nachrückverfahren?
Beim Nachrückverfahren rücken bereits erfasste, abgelehnte Bewerber/-innen nach bestimmten Kriterien nach. Beim Losverfahren entscheidet dagegen das Los unter allen Anträgen, und zwar bei der jeweiligen Hochschule.
Kann ich am Losverfahren teilnehmen, wenn ich schon einen Studienplatz habe oder bereits studiert habe?
Das hängt von der Hochschule ab. Die Uni Göttingen etwa lässt nur Studis zu, die sich im jeweiligen Studiengang vorher nicht beworben haben, und ein bereits vorhandener Platz bleibt erhalten.² Prüf jeweils die Teilnahmebedingungen deiner Wunschuni.
Quellen
1. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2026): Losverfahren.
2. Georg-August-Universität Göttingen (2026): Losverfahren.
3. Stiftung für Hochschulzulassung (2026): Koordiniertes Nachrücken.