Neue Uniwunder-Umfrage zeigt: Der Berufseinstieg dauert heute deutlich länger als gedacht
Dresden - Die Generation Z gilt vielen als wählerisch, bequem oder wenig belastbar. Eine neue Umfrage der Plattform Uniwunder zeichnet nun ein deutlich differenzierteres Bild – und rückt den Arbeitsmarkt selbst in den Fokus.
Demnach suchen über die Hälfte aller Absolvent/-innen länger als vier Monate nach dem Studienabschluss nach einem passenden Job. Fast jede/-r Fünfte wartet sogar mehr als ein Jahr auf den Einstieg ins Berufsleben. Besonders betroffen sind Studiengänge wie Marketing, Bildung, Technik und Beratung.
„Viele junge Menschen erleben diese Phase als persönliches Scheitern“, sagt Uniwunder-Geschäftsführer Matthias Auer. „Dabei handelt es sich um ein strukturelles Problem – nicht um fehlenden Einsatz.“
Viele Bewerbungen, wenig Antworten
Die Zahlen zeigen: Die Bereitschaft zu arbeiten ist da. 68 Prozent der Befragten haben bereits mehr als 20 Bewerbungen verschickt. Trotzdem bleiben Rückmeldungen häufig aus. Als größte Hürden nennen die Absolvent/-innen starke Konkurrenz, fehlende Praxiserfahrung und monatelange Funkstille von Unternehmen.
Auch der Gen-Z-Report räumt mit Vorurteilen auf
Auch der parallel veröffentlichte Gen-Z-Report von Uniwunder zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild der jungen Generation – und räumt mit gängigen Vorurteilen auf. Initiiert wurde die Erhebung mit dem Ziel, die Perspektive von Studierenden und Berufseinsteiger/-innen sichtbar zu machen und für mehr Verständnis auf Arbeitgeberseite zu sorgen. Denn zwischen Erwartungen junger Talente und den Annahmen vieler Unternehmen klafft derzeit eine spürbare Lücke.
„Wir erleben täglich, dass beide Seiten oft aneinander vorbeireden“, so Auer weiter. „Der Report soll helfen, diese Verständnislücke zu schließen – mit Fakten statt Zuschreibungen.“
Die Ergebnisse zeigen: Die Gen Z ist deutlich leistungsbereiter, als ihr häufig unterstellt wird.
- Jede/-r Zweite ist bereit, klassisch Vollzeit zu arbeiten
- Viele wünschen sich Stabilität und können sich vorstellen, mehrere Jahre beim ersten Arbeitgeber zu bleiben
- Entscheidend sind dabei faire Bedingungen, klare Entwicklungsmöglichkeiten und transparente Kommunikation
Statt schneller Wechsel suchen viele junge Menschen Orientierung und Verlässlichkeit. „Die Gen Z ist nicht bequem oder illoyal“, so Auer. „Sie möchte verstehen, worauf sie sich einlässt – und wofür sich Einsatz lohnt.“
Ein holpriger Start ist kein Karriere-Aus
Gleichzeitig macht der Report deutlich, warum der Einstieg heute für viele schwieriger wirkt als noch vor einigen Jahren. „Die Erwartung, direkt nach dem Abschluss nahtlos in den Job zu starten, stammt aus einer Ausnahmesituation vergangener Jahre“, erklärt Auer. „Heute ist Geduld gefragt – auf beiden Seiten.“
Sein Fazit: Der Einstieg ins Berufsleben ist komplexer geworden, aber keineswegs aussichtslos. „Fast alle finden ihren Weg. Nur dauert er heute oft länger als gedacht.“
Veränderte Erwartungen, veränderter Markt – und warum das kein Grund zur Sorge ist
Gerade junge Akademiker/-innen reagieren sensibel auf erste Absagen oder ausbleibende Rückmeldungen. Laut Auer liegt das auch daran, dass zu Beginn des Studiums häufig noch von einem schnellen und reibungslosen Berufseinstieg ausgegangen wurde – ein Bild, das sich vielerorts hartnäckig hält.
„Viele werden unruhig, wenn sich der Erfolg nicht nach wenigen Wochen einstellt“, so Auer. „Dabei ist es völlig normal, mehrere Bewerbungsrunden zu durchlaufen oder zunächst Absagen zu erhalten. Entscheidend ist, diese Phase richtig einzuordnen.“
Ein zentraler Punkt dabei: Trotz längerer Suchphasen bleibt der Einstieg für die große Mehrheit realistisch. „Am Ende finden rund 95 Prozent der Studierenden einen Einstiegsjob“, betont Auer. „Diese Zahl gerät in der emotionalen Phase nach dem Abschluss oft aus dem Blick.“
Für Studierende bedeutet das: Ein langsamer Start ist kein Zeichen von Scheitern – sondern Ausdruck eines Arbeitsmarktes im Wandel. Viele Karrieren beginnen heute nicht mehr gradlinig, sondern entwickeln sich Schritt für Schritt. Praktika, Übergangsphasen oder Umwege sind dabei kein Makel, sondern Teil eines neuen Normalzustands.
Strukturwandel statt persönliches Scheitern
Aus Expertensicht ist die verlängerte Übergangsphase vor allem eine Folge tiefgreifender Veränderungen am Arbeitsmarkt. Automatisierung, Digitalisierung und der Einsatz generativer KI verändern klassische Einstiegsprofile. Routineaufgaben fallen weg, während analytische, interdisziplinäre und kommunikative Fähigkeiten stärker gefragt sind.
„Unternehmen stellen selektiver ein und erwarten heute häufig mehr Orientierung, Praxiserfahrung oder ein klareres Profil“, erklärt Auer. „Das führt nicht dazu, dass Absolvent/-innen schlechtere Chancen haben – aber der Weg dorthin ist weniger geradlinig.“
Hinzu kommt ein insgesamt abgekühltes Arbeitsmarktumfeld. Prognosen zeigen nur noch eine geringe Wachstumsdynamik bei gleichzeitig steigendem Wettbewerb um attraktive Einstiegspositionen. „Diese Gemengelage sorgt für Verunsicherung – vor allem bei Berufseinsteiger/-innen“, so Auer.
Gerade deshalb sei es wichtig, jungen Menschen Zuversicht zu vermitteln: „Nicht jeder findet sofort den Traumjob“, sagt Auer. „Aber fast alle finden ihren Platz – manchmal über Umwege, oft später als gedacht, aber selten ohne Perspektive.“
Plattform: www.uniwunder.de
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